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Silber

Silber ist als Übergangsmetall ein chemisches Element mit der Symbol Ag für Argentum mit der Ordnungszahl 47. Es ist in reiner Form weiß glänzend, weich und leicht verformbar. Es lässt sich daher leicht zu Silberfolien auswalzen, beziehungsweise hämmern oder zu dünnen Draht, so genanntem Filigrandraht ausziehen. Filigrandraht hat hohe Bedeutung in der Elektroindustrie, da Silber unter allen Metallen über die höchste elektrische Leitfähigkeit verfügt. Bei einer Temperatur von 20°C beträgt sie 61,39 · 106 S/m. Silber ist an der Luft beständig und reagiert erst ab 300°C und 15 bar Druck zu Silberoxid (Ag2O). Das typische Anlaufen von Silberbesteck ist dagegen auf in der Luft enthaltenen Schwefelwasserstoff zurückzuführen, mit dem das Silber reagiert und Silbersulfid (Ag2S) bildet. Der Schmelzpunkt von Silber liegt bei 961,78°C, der Siedepunkt bei 2162°C. Die spezifische Wärmekapazität bei 25°C liegt bei 0,235J.

Geschichte von Silber

Silber wird seit dem 5. Jahrtausend vor Christus verarbeitet. Es war zeitweise wertvoller als Gold, etwa in Mesopotamien. Unter Sargon von Akkadien wurde in Mesopotamien Silber aus den Bergen des Taurusgebirges gewonnen. Verwendung fand es vor allem für Vasen, Statuetten und Kultgefäße. Von den Hetithern wurde das Metall in Silberhütten aus Bleierz gewonnen. In Spanien wurde Silber in der Region Guadalquivir gewonnen und von Phöniziern teilweise nach Ägypten exportiert, zum Teil auch selbst verarbeitet. In Griechenland wurde Silber vor allem aus den Bleierzen von Laurion gewonnen. Die Römer bezogen Silber zunächst vor allem aus Spanien, später auch aus den Karpaten. Silbergeschirr gelangte in Form von Geschenken und Handelsware bis nach Germanien.

Nach der Antike wurde der Silberabbau ab dem 8. Jahrhundert in Marktkirch im Elsass fortgesetzt. Im Mittelalter waren die Silberbergwerke in Mitteldeutschland die bedeutendsten Abbaustätten der Welt. Der Abbau in Mittweida und Frankenberg begann 922, in Rammelsberg im Harz ab 968, ab 1163 auch im Erzgebirge in Sachsen. In Böhmen wurde ebenfalls ab dem 11. Jahrhundert Silber abgebaut, in Schweden ab dem 13. Jahrhundert. Die Bedeutung der mitteldeutschen Bergwerksreviere nahm nach der Entdeckung Amerikas ab, da in Mexiko und Südamerika, vor allem auf dem Gebiet des heutigen Peru und Boliviens reiche Silbervorkommen entdeckt wurden. Spanien löste damit die mitteldeutschen Bergwerksbetriebe als größter Silberproduzent der Welt ab. Die Silberlieferungen aus den Kolonien ermöglichten es Spanien, seine Macht auszuweiten.

Durch das Amalgamationsverfahren, das von Vannoccio Biringuccio 1540 beschrieben und von dem spanischen Dominikaner Bartolomé de Medina als so genanntes Patioverfahren in den spanischen Kolonien eingeführt wurde, wurde die Silbergewinnung erst ermöglicht, da in diesen Gebieten Brennstoffmangel herrschte. Bis zum 16. Jahrhundert wurden Silbererze mit Blei in Form der so genannten Kupellation verschmolzen und anschließend abgetrieben. Ebenso wurde bei silberhaltigen Kupfererzen vorgegangen.

Die USA wurden im 19. Jahrhundert als Silberproduzent bedeutend, ab 1885 auch Australien und seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts Kanada. Da um 1870 Silber von Gold als Währungsmetall abgelöst wurde, nahm der Wert im Verhältnis zu Gold von zuvor 1:14 auf bis zu 1:100 ab, um sich später wieder zu erholen.

Wichtige Handelsplätze

Silber wird unter dem Handelssymbol XAG gehandelt, wobei es den Preis einer Feinunze Silber bezeichnet, also 31,1 Gramm.

Die wichtigsten Handelszentren für Silber befinden sich in London, Zürich, New York (COMEX und NYMEX), so wie Hong Kong. An der COMEX wird zudem ein Silberfuture gehandelt. Das Silberfixing wird jeden Arbeitstag von drei Mitgliedern der London Bullion Market Association (LBMA) durchgeführt. In London wird mit physischem Silber gehandelt, das festgesetzte Qualitätskriterien erfüllt und damit den Good-Delivery-Status hat.

Silberpreis

Der Silberpreis in US-Dollar erreichte seinen historischen Höchststand im Januar 1980 mit 49,45 $. Seitdem verfiel der Silberpreis bis 2003 und stieg dann bis zum Jahr 2011 wieder auf 48,47$ an. In den folgenden Jahren gab der Kurs wieder nach.

Nutzen von Silber als Anlageform

Silber ist trotz der Kursschwankungen eine beständige Wertanlage, die in wirtschaftlichen Krisenzeiten dem Werterhalt dient. Dieser kann nicht nur durch Barren, sondern auch durch Anlagemünzen erzielt werden, wobei hier noch ein Wiederverkaufswert über den reinen Silberpreis hinaus erzielt werden kann. In der Zeit wirtschaftlicher Krisen, hoher Inflation und drohender Vermögensbesteuerung stellt Silber einen Sachwert dar, der von wirtschaftlichen Faktoren nicht angegriffen werden kann, insbesondere, wenn das Silber vollständig im persönlichen Zugriffsbereich verbleibt, also physisch vorliegt und nicht bei einer Bank gelagert wird.

Verwendung von Silber

Zum größten Teil findet Silber Verwendung zur Herstellung von Schmuck, Besteck, Silbermünzen und Silberbarren. Seit der Erfindung rostfreien Stahls ist die Verwendung als Geschirr und im Bereich der Küche jedoch rückläufig

Da Silber sehr widerstandsfähig gegen geschmolzene Ätzalkalien ist, findet es Verwendung in Silbertiegeln für chemische Laboratorien und im chemischen Apparatebau. Man verwendet es außerdem zur Herstellung von Thermogefäßen und Spiegeln, sowie als Katalysator in der chemischen Industrie. In der Zahnmedizin wird Silber zur Herstellung von Amalgamen für Zahnfüllungen verwendet. Obwohl der Verbrauch hier zurückgeht wird Silber auch noch in großem Umfang für die Herstellung von Silber-Halogeniden benötigt, die ihrerseits zur Herstellung von fotografischen Filmen und Papieren benötigt werden. Im Katadynverfahren findet Silber zudem Anwendung bei der Reinigung von Trinkwasser, da es eine keimtötende Wirkung hat, die 1893 entdeckt wurde.

Vorkommen

Silber kommt etwa zwanzigmal so häufig wie Gold oder Platin vor. Der durchschnittliche Silbergehalt der Erde liegt bei 0,1g pro Tonne. Damit an einer Lagerstätte wirtschaftlich sinnvoll Silber abgebaut werden kann, muss der Silbergehalt um die 500g pro Tonne betragen. Bei den Silbervorkommen wird unterschieden zwischen Silbererzen und Silberlagerstätten. Bei Silberlagerstätten stellt Silber ein Beiprodukt anderer sulfidischer Erze dar. Die größten Vorkommen finden sich in Amerika, China und Australien. Größter Silberproduzent ist derzeit Peru mit 30% am Weltsilberabbau, gefolgt von Mexiko, China, Chile, den USA, Polen und Kanada. Die Reichweite der bekannten Reserven kann nicht genau angegeben werden, wird aber bei derzeitigem Produktionsniveau auf circa 20 Jahre geschätzt. Auch nach Erschöpfung der Vorkommen kann weiterhin Silber aus Altstoffen gewonnen werden.

Gewinnung

Das Verfahren der Silbergewinnung unterscheidet sich stark nach den verwendeten Rohstoffen. Eine häufig angewendete Methode ist die Gewinnung von elementarem Silber durch Cyanidlaugung. Silber und Silberverbindungen werden dabei in einer wässrigen Natriumcyanidlösung unter Zufuhr von Luft gelöst. Aus den dadurch gewonnenen Lösungen wird das Silber durch Zinkstaub ausgefällt, dies bezeichnet man als Zementation. Anschließend wird das so gewonnene Silber zu Rohsilber verschmolzen.

Ein anderes Verfahren kommt bei der Silbergewinnung aus Werkblei zur Anwendung. Werkblei fällt bei der Bleigewinnung aus dem natürlich vorkommenden Galenit an, das bergmännisch als Bleiglanz bezeichnet wird. In diesem Fall wird das Silber nach Zugabe von Zink zu Reichblei aufgearbeitet und danach im Treibofen isoliert, während das Blei abgetrieben wird. Hierbei wird Rohsilber mit 98 bis 99,5% Silbergehalt gewonnen, das so genannte Blick-Silber, in dem auch Gold und Platin enthalten ist.

Auch aus Rohkupfer kann Silber gewonnen werden. Beim elektrolytischen Reinigungsprozess des Rohkupfers fällt an der Anode Schlamm an, der aufgearbeitet wird. Das hierbei gewonnene Rohsilber enthält üblicherweise neben Kupfer auch Gold. Es wird durch Elektrolyse im Rahmen des Möbius-Prozesses gereinigt, wobei die edleren Metalle wie Platin, Gold und Silber sich im Anodenschlamm sammeln, während die unedleren Metalle wie Kupfer und Blei in der Lösung verbleiben. Hierbei kann Feinsilber mit 99,6 bis 99,9% Gehalt gewonnen werden.

Rohsilber, das weitgehend frei von Gold und Platin ist, kann mit Salpetersäure geschmolzen und durch Abtreiben der Nebenbestandteile gereinigt werden, wodurch Feinsilber mit 99,9% Reinheit gewonnen werden kann.

Zur Abtrennung von Gold wird auch die Scheidung vermittels Salpetersäure (Quartation) oder Schwefelsäure (Affination) angewendet.

Ein wichtiges Silbergewinnungsverfahren ist auch die Gewinnung von Silber aus Silberabfällen und insbesondere die Rückgewinnung von Silber aus Fixierbädern von Fotolaboren.