Silbermünzen

Silbermünzen kaufen - was sollten Sie beachten?

Silbermünzen zu kaufen ist eine hochinteressante Anlageform und gleichzeitig auch für Numismatiker ein faszinierendes Sammelgebiet. Welche Silbermünzen sie als Anleger am besten kaufen sollten, was für Sammler interessant ist, welche Gewichte und Feinheitsgrade es gibt und wie Silber besteuert wird, das alles erfahren Sie hier.

Anlagemünzen

Die auch als Silber Bullionmünzen bekannten Anlagenmünzen dienen in erster Linie der Anlage in dem Edelmetall Silber. Sie werden im Spiegelglanz geprägt. Im Englischen wird diese Prägestufe als Proof like (PL) bezeichnet. Das bedeutet, dass sie durch einen polierten Stempel in der Münzprägeanstalt einfach geprägt werden, dabei ist der Rohling jedoch unpoliert. Die so geprägten Silberanlagemünzen werden meist in Tubes oder auch einzeln verpackt ausgegeben. Die Verpackung in Tubes hat den Nachteil, dass die Münzen bei Entnahme leicht verkratzen. Dies wirkt sich bei Anlagemünzen jedoch in der Regel nicht wertmindernd aus, da es hier meist nur auf den reinen Silbergehalt ankommt. Jedoch gibt es auch viele Münzen und Münzserien für die ein Preis über dem reinen Silberwert gezahlt wird, diese befinden sich in einem Übergangsfeld zur Sammlermünze. Deshalb ist es generell empfehlenswert, auch Anlagemünzen nach dem Kauf einzeln zu verpacken, z.B. in durchsichtigen Münzkapseln.

Gängige Größen und Gewichte bei Anlage-Silbermünzen kaufen

Die gängigsten Größen bei Silbermünzen = eine Unze (1 oz), das entspricht 31,1034768 Gramm sowie 1/2 oz, 2 oz, 5 oz und 10 oz. Weniger gebräuchlich, aber ebenfalls erhältlich sind Silbermünzen zu 1/10 und 1/4 oz sowie zu 500 und 1000 Gramm. Generell ist der Ausgabepreis der Münze je näher am Silbermarktpreis, je höher das Gewicht ist. Bei kleineren Münzen entfällt ein größerer Teil des Preises auf die Herstellungskosten. Deshalb ist generell bei der Anlage zu empfehlen, Silbermünzen ab einem Gewicht von 1 oz aufwärts zu kaufen.

Der Feinheitsgrad moderner Bullionmünzen aus Silber liegt meistens bei 999 Promille, bei einigen, wie dem kanadischen Maple-Leaf auch bei 999,9 Promille. Viele ältere Silbermünzen haben aber auch Feingehalte zwischen 625 und 856 Promille. Neben dem Nennwert tragen die Münzen üblicherweise auch die Angabe des Feinheitsgrades. Beachten sollte man, dass auch nachgeprägte oder gefälschte Münzen im Umlauf sind. Es ist also empfehlenswert, bei einem vertrauenswürdigen Händler zu kaufen.

Sammlermünzen

Bei Sammlermünzen kommt es primär auf Alter, Motiv und Seltenheit an, wobei der Silbergehalt den Basiswert darstellt. Typische Silbersammelmünzen sind vor allem historische Kursmünzen und neu in Polierter Platte geprägte Münzen. Bei dieser höchsten Stufe der Prägequalität wird die Münze mehrfach mit einem polierten Stempel aus einem ebenfalls polierten Rohling geschlagen. Im Englischen wird diese Prägestufe Proof (PR, PF) genannt. Die neu geprägten Silbermünzen erscheinen oft in einer limitierten Auflage zu besonderen Anlässen und werden einzeln verpackt, oft in einer Geschenkschatulle mit Zertifikat. Typische Sammlermünzen aus Silber sind z.B. die Sondermünzen zu 5 und 10 DM der Deutschen Bundesbank, sowie die Sondermünzen zu 10 Euro, die einen Silberanteil enthalten. Dieser wurde mit der Zeit von anfänglich 900 Promille auf seit 2011 0 reduziert. Allerdings gibt es noch Silbervarianten der Sondermünzen mit erheblichem Aufschlag auf den Nennwert. Hier sind vor allem die alten 5-DM-Sondermünzen wertvoll, die nur in kleiner Zahl ausgegeben wurden.

Ebenfalls erheblichen Wertzuwachs haben alte und antike Münzen aufgrund des Interesses, das Sammler ihnen entgegenbringen. Doch auch hier werden häufig geprägte Münzen, wie etwa der Maria-Theresia-Taler nicht deutlich über dem Silberwert gehandelt. Das trifft auch auf häufig verausgabte Münzen, wie die Sondermünzen zu den Olympischen Spielen 1972 zu.

Als weitere Form der Sammlermünzen aus Silber können Agenturausgaben angesprochen werden. Diese werden von Münzprägestätten im Auftrag eines Staates hergestellt oder in Lizenz eines Staates geprägt. Typische Münzen dieser Art sind etwa der Andorra Eagle oder die armenische Arche Noah. Agenturausgaben sind oft im Ankauf billiger, weil der Verkauf oft schwieriger ist. Dennoch haben einige ältere Motivmünzen bereits beachtliche Wertsteigerungen erfahren.

Gewichte und Feinheitsgrad können bei Sammlermünzen weit gestreut sein - insbesondere bei antiken und historischen Münzen, wo oft mit Münzverschlechterung und Abfeilen des Randes gearbeitet wurde. Diese Techniken tragen heute aber als historisches Dokument teilweise zum Wert der Münzen bei. Generell kann gesagt werden, dass bei Sammlermünzen der primäre Wert nicht durch den Edelmetallgehalt, sondern durch Alter, Seltenheit und interessantes Motiv und Ausgestaltung der Münze bestimmt wird. Zusätzlicher Vorteil ist aber, dass der Wert nicht unter den Marktpreis des enthaltenen Silbers sinken kann.

Differenzbesteuerung

Bis 2013 wurden Silbermünzen in der EU und der Schweiz nur mit 7% besteuert, während für Silberbarren, und Silbertafelbarren 19% galten — ausgenommen von den 19% waren spezielle Silbermünzbarren. Seit 2014 gilt der Steuersatz von 19% auch für Silbermünzen. Jedoch gibt es die Möglichkeit der Differenzbesteuerung für Münzen, da für Gebrauchtwaren aus dem Nicht-EU-Raum nur 19% auf die Marge anfallen. Dabei wird er Einfuhrzollbescheid einschließlich der Nebenkosten herangezogen. Besteuert wird die Differenz zwischen dem Einkaufspreis plus den Nebenosten und dem Verkaufspreis, daher auch der Name Differenzbesteuerung.

Aufgrund der neuen Steuersituation werden Silbermünzen von Händlern oft exportiert und wieder importiert, um einen niedrigeren Steuersatz realisieren zu können, der dann auch dem Kunden zugute kommt. Silbermünzen aus dem Nicht-EU-Raum, etwa der kanadische Maple Leaf, profitieren sowieso von dem günstigeren Steuersatz. Im Ergebnis sind Silbermünzen nur wenig teurer geworden, wie vor der Steueränderung. Dies wurde vom Gesetzgeber bewusst so gestaltet, da sich ein Teil des Handels mit Silbermünzen sonst in den außereuropäischen Raum verlagert hätte.

Nach einem Jahr Haltefrist sind die Gewinne aus dem Verkauf von Silbermünzen in Deutschland übrigens steuerfrei.

Geschichte der Silbermünzen

Silbermünzen waren seit der Antike als Kurantmünzen Zahlungsmittel. Erst nachdem im 20. Jahrhundert die Geldmenge stark anwuchs, war nicht mehr genug Silber zum Prägen von Silbermünzen verfügbar. Die letzten Silberkurantmünzen verschwanden daher in den siebziger Jahren aus dem Zahlungsverkehr. Heute haben Münzen wie der 5-DM-Adler einen Verkaufswert, der leicht über dem Nennwert liegt. Bekannte Silbermünzen im deutschen Raum sind vor allem der Maria-Theresien-Taler, die Kursmünzen des Deutschen Reiches ab 1871 und die Gedenkprägungen der Bundesrepublik Deutschland.

Aktuelle Silbermünzenserien

Aktuell beliebte Silbermünzenserien sind der Wiener Philharmoniker aus Österreich, der seit 2008 nicht nur in Gold, sonder auch in Silber ausgegeben wird. Der Nennwert beträgt 1,50 Euro und das Gewicht eine Unze, der Feingehalt beträgt 999 Promille. Die Münze erscheint im Stempelglanz und wird üblicherweise in Tuben zu je 20 Münzen ausgeliefert.

Ebenfalls sehr beliebt ist der American Eagle aus den USA, der ebenfalls einen Feingehalt von 999 Promille Silber aufweist und einen Nennwert von einem US-Dollar hat. Die auch als Silver Eagle bezeichnete Münze wird seit 1986 geprägt und zeigt auf der Vorderseite die personifizierte Freiheit und auf der Rückseite den amerikanischen Adler mit dem Motto E pluribus unum. Da der Silver Eagle eine der verbreitetsten Anlagemünzen ist, ist der Kauf und Verkauf jederzeit problemlos. Jedoch sind aufgrund seiner Häufigkeit kaum über den Silberpreis hinausgehende Wertsteigerungen zu erwarten. Vom Silver Eagle erscheint auch eine begrenzte Auflage in der Prägestufe Polierte Platte.

Seit 1997 wird die silberne Anlagemünze Britannia vom Vereinigten Königreich geprägt. Sie hatte lange Zeit einen Feinheitsgrad von 958 Promille. Die Erstausgabe 1997 erschien ausschließlich in Polierter Platte, seitdem wird nur ein Teil der Auflage in dieser Prägestufe hergestellt. Die Münze ist in Gewichtsstufen zu 1/10 oz, 1/4 oz, 1/2 oz und 1 oz erhältlich. Seit 2013 hat auch die Britannia den bei Anlagemünzen inzwischen üblichen Feingehalt von 999 Promille Silber.

Sehr schöne Motive finden sich auch in der australischen Lunarserie. Die Münzen geben Motive des chinesischen Mondkalenders wieder, wie Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund und Schwein. Dabei wurde die erste Serie 1996 bis 2007 geprägt, die Lunar II Serie wird seit 2008 herausgegeben. Die Silbermünzen haben einen Feingehalt von 999,9 Promille und sind mit ihrem Nennwert in australischen Dollar offizielles australisches Zahlungsmittel. In Silber erscheinen die Münzen in Gewichtsstufen zwischen 1/2 oz und 10 Kilogramm. Aufgrund der wechselnden Motive ist hier oft eine Wertseigerung über den Silberpreis hinaus möglich.

Ebenfalls aus Australien ist die silberne Anlagemünze Kookaburra, die seit 1990 von der Perth Mint geprägt wird. Die Münze zeigt den typischen australischen Vogel Kookaburra und auf der Vorderseite Elisabeth II. als Königin von Australien. Der Feingehalt beträgt 999 Promille, die Münze erscheint in Gewichtsstufen zwischen 1 oz und 1 Kilogramm. Auch hier ist aufgrund der jährlich wechselnden Motive mit einer Wertsteigerung über den reinen Silberpreis hinaus zu rechnen.

Eine weiter australische Motivmünze ist der seit 2007 geprägte Silber Koala. Er hat einen Feingehalt von 999 Promille und jährlich wechselnde Koala-Motive auf der Rückseite. Er erscheint in Gewichtsstufen zwischen 1/2 oz und 1 Kilogramm.

Der mexikanische Libertad wird bereits seit 1981 geprägt und hat einen Feingehalt von 999 Promille. Eine Besonderheit ist dass der Libertad keinen festen Nennwert hat, sondern, dieser wird anhand des aktuellen Silberpreises jeweils neu festgelegt. Die klassische Anlagemünze kann in Gewichtstufen zwischen 1/20 oz und 5 oz gekauft werden.

Die Volksrepublik China prägt seit 1983 den China Panda, bis 1985 mit einem Feingehalt von 900 Promille Silber und ab 1987 mit 999 Promille. Gewichtsstufen und Prägestufen variierten seit 1987 stark. Derzeit ist die beliebte Anlagemünze mit den jährlich wechselnden Pandamotiven in den Gewichtsstufen 1 oz, 5 oz und 1 Kilogramm zu kaufen.

(ps)